Kriege werden nicht mehr erklärt, sie werden unter Angaben zurechtgelegter Gründe als Erstschlag geführt und möglichst zeitnah im Fernsehen gefeiert.
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Der selbst ernannte Friedensnobelpreisträger Donald Trump, der bisher mit dem Trostpreis einer Fußball-Friedensauszeichnung vorliebnehmen musste, wird seine Friedfertigkeit womöglich bald in Grönland, Kanada, Kolumbien oder Kuba mit ein paar Peace-Raketen unter Beweis stellen. Der Rest der Welt muss einstweilen mit seiner großpolitischen Expertise leben, zum Beispiel, dass die faktische (nicht postfaktische) Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado zwar eine sehr nette Frau sei, ihr aber in Venezuela der Respekt der Bevölkerung fehle.
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Der Anmaßung geht voraus, dass Maß und Mitte fehlen.
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Wenn jede Diktatur auf der Welt einen „Regime-Change“ nötig machte, dann hätten die amerikanischen Streitkräfte und ihr Präsident in nächster Zeit noch viel zu tun, und wahrscheinlich müsste er über 2029 hinaus regieren.
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Aus pax americana ist bellum americanum geworden – so wie Russland die Ukraine überfallen hat und so wie China vielleicht bald Taiwan überfallen wird, so überfallen die Vereinigten Staaten missliebige Länder, die vor allem jene Rohstoffe besitzen, aus denen das Wachstum der nächsten Jahre sein soll. Der demokratische Wandel, den beispielsweise Venezuela verdient hätte, ist dabei eine weniger wichtige Kategorie.
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In der Politik führt zu viel Eitelkeit unweigerlich zur Gesetzeslosigkeit. Wenn es so weiter geht, muss man bald auch die USA zur „Achse der Autokraten“ zählen.
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Wer jetzt nicht in den USA einer Altersgrenze von 70 für wählbare Politiker zustimmt, dem ist nicht zu helfen.
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Wenn das Völkerrecht nicht mehr gilt, können sich die von den USA, China und Russland maßgeblich getragenen Vereinten Nationen auch gleich auflösen. Denn diese drei Großmächte haben de facto eine auf Regeln beruhende Ordnung außer Kraft gesetzt: sie holen sich einfach, was ihnen dient. Das ist der Gleichklang ihrer Interessen, gegen den das Urteil eines Internationalen Strafgerichtshofs nur ein dünnes Stimmchen ist.
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Der neue Imperialismus erwächst aus dem Zusammenspiel des Staatsmonopols mit den Monopolen des Techno-Kapitalismus und ihrer künstlichen Intelligenzen, die Drohnen erst zu Superwaffen machen. Erst so wird jene Angst möglich, die andere Staaten leicht erpressbar machen lässt. Man muss auch keine Lügen mehr produzieren wie noch 2003 Colin Powell, um andere Länder zu einem Krieg zu motivieren. Amerika lebt aktuell im Bewusstsein, niemanden außen sich selbst zu brauchen.
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Die Wertschätzung, die die USA früher mit moralischen Handlungen erreichen wollten, ist in anderen Ländern ersetzt worden durch den Opportunismus, es sich bloß nicht mit den leicht reizbaren Machthabern von Washington zu verderben. Dann darf auf einmal Unrecht nicht mehr Unrecht genannt werden.
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Im Kalten Krieg warfen Flugzeuge des US-Staats Care-Pakete über Berlin ab. Heute gewährt im Gefolge von Donald Trump ein Tech-Milliardär wie Elon Musk dem Volk in Venezuela via Starlink ein paar Tage freies Internet.
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Wenn Donald Trump zuletzt öffentlich ein Nickerchen gemacht hat, dann dachte er bestimmt nur an die nächsten Kriegsschläge zur Verteidigung seines Landes.
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Als Antwort auf das ominöse „Drill, Baby, Drill“ kann man in diesen Tagen ein lautes „Bomb, Baby, Bomb“ verstehen. Jede Handlung des Militärapparats ist gut, solange sie den Interessen der amerikanischen Öl-Industrie dient.
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Vergesst den Klimawandel! Wir haben Politikwandel.
(US-Präsident Donald Trump lässt den Präsidenten Venezuelas in die USA entführen und ins Gefängnis stecken.)

