Meine gesammelten Werke: Wie ich die Lage gesehen habe.

SPD und der Kampf gegen den Niedergang

Tagesgedanken (82)

SPD und der Kampf gegen den Niedergang

Wer nur die Macht liebt und nicht die politische Idee, den bestraft am Ende der Wähler.

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Volkspartei ist die SPD noch – in ihren Ansprachen. Ansonsten droht sie den Weg der FDP zu gehen. Zuerst Koalitionsjuniorpartner, dann unter „Sonstiges“ geführt.

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Keine Partei hat sich so auf die Kunst des Postensicherns verstanden wie die SPD. Ihre Repräsentanz an der Spitze von Institutionen entspricht in keiner Weise ihrer Repräsentanz in der Bevölkerung. Doch je mehr sie sich als staatsbildende Kraft gerierte, desto mehr verlor sie an Popularität.

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Für was steht die SPD eigentlich? Das ist die große politische Rätselfrage der letzten Jahre. Einst vermutete man bei ihr Zukunftsprogramme, jetzt sieht man nur Improvisationskunst im Chaos.

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163 Jahre SPD – und die Erkenntnis, dass Nostalgie keine Erfolgsformel ist. Sie singen ihre alten Lieder, haben aber keine neuen Texte.

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Die SPD hat eine Zukunft als soziale und ökonomische Fortschrittspartei, oder sie hat keine.

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Zu den vielen großen Unfassbarkeiten rund um diese Partei gehört, dass sich ein vom Kreml für lange Zeit gut bezahlter Putin-Freund als ihr treuer Ratgeber aufspielt – und zwar mehr oder weniger mit der Botschaft, alles müsse so sein, wie es einst bei ihm war.

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Fußball, angeblich die schönste Nebensache der Welt, kann auch gefährlich sein. Wie soll man es anders sehen, wenn der SPD-Chef, auch im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München aktiv, zu seiner Überraschung registrieren muss, dass ein SPD-Oberbürgermeister eine wichtige Wahl verlieren kann, weil er sich als Verwaltungsbeirat und als Aufsichtsrat des FC Bayern München im Sprechen darüber öffentlich blamiert. Noch bestimmt das Sein, nicht der Schein das Bewusstsein.

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Tragisch, wenn sich alternde Politiker als kleine Könige fühlen, deren bloßes Porträt auf Plakaten schon zum Wahlsieg reichen soll. Hinterher hängen solche Schilder als Dokumente des Größenwahns an den Straßen.

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Wenn das Amt weg ist und damit das Scheinwerferlicht, sollen die eigenen Memoiren wenigstens den Talkshowauftritt zurückbringen. Man weiß im Fall Olaf Scholz nicht, wie viele Ghostwriter nötig sind, damit sie Erinnerungen wie versprochen „nicht langweilig“ werden.