Meine gesammelten Werke: Wie ich die Lage gesehen habe.

Zum häufig auftretenden Phänomen des Kriegs

Tagesgedanken (81)

Zum häufig auftretenden Phänomen des Kriegs

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man Donald Trump für eine Figur der opera buffa halten, für eine Erfindung von Gioacchino Rossini: „Ich kenne kein Gesetz, als meine Laune“, sagt der Autokrat von Algier in „L’Italiana in Algeri“. Die hohe amerikanische Politik spielt gut 200 Jahre später italienische Oper nach.

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Immer mehr Verantwortliche handeln nach dem Motto: Wer braucht schon Gesetze, man hat doch Gefühle!

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Die Familie von Donald Trump stammt aus der Pfalz, aber er hat einen Preußen – Carl von Clausewitz – gut verinnerlicht: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Allerdings: Wenn die Politik schlecht ist, wie können da die Mittel gut sein?

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Geopolitik heißt neuerdings für manche „Krieg“, und dessen Logik ist es, auf Gewalt mit Gewalt zu antworten, je nach den vorhandenen Möglichkeiten. Es ist das „Gaza“-Prinzip, das Alles-Plattmachende, das sich durchzusetzen beginnt. Wer fragt schon nach „Verhältnismäßigkeit“, wenn die Verhältnisse so sind, wie sie sind.

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Wenn ein Staat einen anderen Staat einfach so angreifen kann – wer entscheidet dann, ob das legal, legitim oder einfach nur lethal war?

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An der Sprache könnt ihr sie erkennen: Was auf der einen Seite „militärische Spezialoperation“ heißt, heißt auf der anderen Seite „combat operations“. Wer will schon von „Krieg“ sprechen, wenn dieser Krieg gar nicht erklärt wurde, sondern nur die Väter und Mütter vor den Gräbern darüber sprechen?

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Früher redete man nach Kriegen von „nation building“, heute von Immobilienprojekten. Man muss dafür nichts abreißen, es ist schon alles zerstört.

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Wer die Freiheit im eigenen Land dezimiert oder sie nur für eigene Gewährsleute reserviert, der kann schlecht für sich in Anspruch nehmen, andere Länder befreien zu wollen.

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Die Frauen und Männer, die im Iran ihr Land nicht mehr als Kerker erleben wollen, können sich am wenigstens auf jene Bomben aus Israel und den USA verlassen, die sie am Ende vielleicht töten oder ihre Existenz vernichten werden.

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Inkompetenz des Feindes hat noch jede Diktatur stärker gemacht.

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Zur Abwechslung und Erinnerung einmal Erich Maria Remarque: „Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hineingehen müssen.“ Donald Trump ist der einzige amerikanische Präsident, der vor Amtsantritt weder beim Militär gedient noch ein Regierungsamt bekleidet, dafür aber eine quotenstarke Fernsehshow moderiert hat.

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Kriege sorgen für den Frieden der Friedhöfe, dafür aber hat es noch nie einen Friedensnobelpreis gegeben.

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Präpotente lernen nicht, auch aus Kriegsdebakeln nicht, die die Namen Vietnam, Irak und Afghanistan tragen. Fehler sind hier einzig dazu da, wiederholt zu werden.

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Eine Zwischenbilanz: Zur neuen Weltunordnung der Drohnen- und Bombenflüge gehört, dass China den Schaden und Russland den Nutzen hat, alles auf Kosten von Europa und vor allem der Ukraine.

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In einer längst vergangenen Zeit gab es Buchbestseller zur Ethik in der Wirtschaft. In der bleiernen Neuzeit ist Ethik gefährlich: Spricht ein Unternehmensführer in den USA davon, verliert er Regierungsaufträge.

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Macht hat, wer Menschenleben ungestraft auslöschen kann, egal, ob in Minneapolis, Caracas oder Teheran, oder demnächst vielleicht in Havanna oder Nuuk.